Himmelhochfeiernd zu Tode betrübt

Foto von eberhard grossgasteiger: https://www.pexels.com/de-de/foto/down-angle-fotografie-von-roten-wolken-und-blauem-himmel-844297/

Während draußen Menschen auf Traktorenanhängern Lieder singen an geschmückten Wegen, wird innen die Beerdigung besprochen. Während draußen gelacht, gefeiert, getanzt wird, rollen innen die Tränen. Wie kann gejubelt werden, wenn gestern das Leben eines Menschen zu Ende gegangen ist?

„Mama, warum sind alle so traurig?“, fragt der kleine Emil. „Weißt du, Opa ist gestern gestorben. Er ist tot. Es tut uns im Herzen weh, dass er nicht mehr bei uns ist.“, erklärt sie. „Kommt er wieder?“ Kopfschütteln. „Wo ist er denn jetzt?“, will Emil wissen.

Und dann geht die ganze Familie raus. Es ist, als ob zwei Welten aufeinanderprallen. Trauer und Freude, Schmerz und Glück.

Der Festzug kommt am Haus vorbei. Winkende Arme, strahlende Gesichter. Auch bei Emil. Er soll es schön haben. Soll diesen Tag genießen, trotz allem. 

Manche Gruppen ziehen hüpfend, trinkend, grölend vorbei. Aus anderen Gruppen lösen sich Einzelne, umarmen, sprechen ihr Beileid aus. Bunt und schwarz vermischen sich – nicht nur im Haus sondern nun auch auf der Straße. Jede Umarmung tut weh, so weh. Aber gleichzeitig ist es tröstlich zu wissen: „Wir sind nicht alleine. Da ist Liebe, viel Liebe, die sie auch in die nächste Zeit hinein tragen wird.

Am Abend fällt Marie in einen unruhigen Schlaf. Im Traum sieht sie ihren Mann im Sarg, sieht bierschwenkende Jugendliche und dann plötzlich scheint sie in den Himmel zu fliegen. Von oben sieht sie ihr Haus leuchten. Auf einmal weiß Marie: Die Dunkelheit wird keine Überhand nehmen. Auch dann nicht, wenn ihre Gedanken es ihr weis machen wollen. Denn jedes Gebet, das heute ausgesprochen wurden, strahlt wie eine Kerze. Und so verbinden sich all die gewisperten Wünsche, das Händedrücken, die mitleidigen Blicke zu einem Lichtermeer aus Segen.

Und so kann sie am nächsten Tag nur zustimmen, als sie in der Bibel dieses Bekenntnis liest:

„Du hast mich gehört, als ich schrie:

„Verschließ nicht dein Ohr! Befreie mich!“

Du warst mir nahe, als ich dich rief.

Du sprachst: „Fürchte dich nicht!““

(Klagelieder 3,56-57, BB)

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